Portrait Ines Callsen

Portrait Ines Callsen

Ines Callsen, 21 Jahre alt, freiwilliges soziales Jahr bei Schüler helfen leben


Das Abi in der Tasche und nun? Diese Frage stellt sich für Ines Callsen im Jahr 2006. Studium oder Ausbildung, was von beidem und vor allem in welche Richtung soll es überhaupt gehen. In dieser Phase wächst die Idee ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren. Wie die meisten in Schleswig-Holstein kennt sie die sozialen Tage von Schüler-helfen-leben und hat mitgemacht im Kindergarten der Mutter oder mit Gartenarbeit bei den Großeltern. Auf die Bewerbung folgt das Vorstellungsgespräch und dann der Anruf, „wir wollen dich haben“.

Während der zwei- bis dreiwöchigen Einarbeitsungsphase wird gemeinsam mit dem neuen Team und den Vorgängern der nächste Jahresplan auf meterlangen Papierrollen erstellt. Was ist wann, bis wann muss was fertig sein und wer ist wofür zuständig. Ein neues Team muss sich zusammenfinden, denn die „Alten“ machen nur noch die Einarbeitung und dann heißt es loslegen. „Auf einmal saß ich im Bundesbüro in Neumünster gemeinsam mit vier anderen die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren und war für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das war völliges Neuland. Bis dahin hatte ich nicht mal einen Artikel für die Schülerzeitung geschrieben“, erzählt Ines. Auf einmal hieß es Verantwortung zu übernehmen, sich Dingen zu stellen und diese einfach zu tun. Die Grundlagen stehen in einem Handbuch für FSJ´ler und die Telefonliste mit den Nummern der Vorgänger liegt griffbereit im Schreibtisch. „Anfangs war das sprichwörtliche Wasser in das wir geschubst worden sind ganz schön kalt, aber dann bin ich los und hab angefangen zu schwimmen“, erinnert sich Ines. Und es funktionierte. Die erste Pressekonferenz mit der Ministerin in Kiel hat vorher noch zu schlaflosen Nächten geführt und ging dann mit großer Beteiligung der Presse reibungslos über die Bühne.

Das Privatleben rückte in diesem Jahr in den Hintergrund. Die ständig neuen Herausforderungen brauchen Zeit, Kraft und Energie. „Die Voltigiergruppe in Nortorf die ich wöchentlich trainiert habe musste ich leider abgeben, es fehlte einfach die Zeit“, sagt Ines, glücklicherweise hat es aber meistens mit dem eigenen Training geklappt. Der Ausgleich war ganz wichtig für mich. Einfach mal was anderes zu sehen und zu hören.“ Die fünf Jugendlichen arbeiten in diesem Jahr nicht nur zusammen, sie leben auch gemeinsam in einer WG.

Ein Höhepunkt des Jahres ist neben dem sozialen Tag ganz sicher die Projektreise gewesen. Mit den Jugendlichen in Kroatien, Bosnien, im Kosovo und Mazedonien zu sprechen und die Projekte zu besuchen war eine ganz besondere Zeit. „Das alles waren Erlebnisse und Eindrücke die ich mir während der Einarbeitung so nicht habe vorstellen können“, erzählt Ines von der Reise.

Als der Verein angefangen hat ging es um humanitäre Hilfe. Es wurden Care-Pakete gepackt mit Sachen, die Schüler entbehren konnten und in die Krisengebiete gebracht. Heute leistet der Verein Jugend-, Bildungs- und Versöhnungsarbeit. „Die Jugendlichen wachsen mit soviel Vorurteilen auf. Es ist schwer etwas zu bewegen, aber die Erfolge sind umso berührender“, berichtet Ines.

Auch heute ist der Krieg noch an jeder Ecke sichtbar. Einschusslöcher in Mauern, Armutsviertel mit Blechhütten und zerbombte und zerfallene Häuser. „Es war zum Teil so bedrückend, dass es schwierig ist dafür Worte zu finden“, sagt Ines. Im Gegensatz dazu steht die Fröhlichkeit, die Hoffnung und auch der Stolz der Jugendlichen. Begeistert zeigen sie den Besuchern aus Deutschland was sie haben und wie sie leben. In einem Jugendzentrum findet regelmäßig eine Disco statt. Es gibt dort keinen Alkohol und um 22.00 Uhr ist Schluss. Aber die Jugendlichen kommen aus dem ganzen Umland angefahren und tanzen, feiern und singen ausgelassen an diesem Abend.

„Das Jahr ist wahnsinnig schnell vergangen und es hat mich verändert. Vorher war ich eher introvertiert und schüchtern und habe mir relativ wenig zugetraut. Das ist heute anders. Ich habe wahninnig viel gelernt in dieser Zeit, bin viel selbstbewusster geworden. Auf jeden Fall hat es meinem Horizont erweitert. Ich habe gelernt nicht alles so wichtig und nicht alles als selbstverständlich hinzunehmen“, zieht Ines Bilanz.

Wohin ihr Weg sie führt weiß sie noch immer nicht genau, erstmal ging es an die Uni und dann sieht sie weiter. „Auch das ist etwas was ich gelernt habe, mit Stress umzugehen und ruhig zu bleiben“, verrät uns Ines zum Schluss.

Weitere Informationen zu Schüler helfen leben unter www.schueler-helfen-leben.de

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