Portrait Nicole Bowe

Portrait Nicole Bowe

Nicole Bowe, 35 Jahre, Erzieherin, verheiratet, lebt mit ihrem Mann Jörg seit Mai 2007 für drei Jahre in China.


„Nimm von allem das Gegenteil und du bist in China“, beschreibt Nicole Bowe die Erlebnisse, die sie in den letzten Monaten in China gesammelt hat in einem Satz. Das fängt schon bei der Stadtgröße an. Peking hat 16 Millionen Einwohner und ist so groß wie Schleswig-Holstein.

„Chinesen sind ein fröhliches und emotionales Volk, es wird viel gelacht und das Miteinander wird groß geschrieben. Niemand ist für sich, alle sind voll mit ins Leben integriert. Es gibt riesige Netzwerke und einmal mit dabei würden Chinesen alles für einen tun. Das finde ich beeindruckend“, erzählt Nicole Bowe. Wenn es schwierig ist den Weg zum nächsten Geldautomaten zu beschreiben, dann begleitet man den Suchenden und trägt dabei auch noch das schwere Paket und das mit einer großen Selbstverständlichkeit.

„Diese Hilfsbereitschaft zu erfahren ist sehr schön und hat uns oft geholfen, aber es gibt auch Momente in denen das große Miteinander für uns einfach schwierig ist. Das sind Kleinigkeiten wie Anklopfen und gleichzeitig den Raum betreten und dann ist es egal ob man gerade nackt unter der Dusche steht. Das ist einfach so. Wenn bei uns die Distanz und Intimsphäre in Krankenhäusern groß geschrieben wird, dann stehen in einem Behandlungssaal in China ca. 12 Liegen und wenn man wissen möchte was der Andere hat, dann geht man mit hin wenn der Doktor da ist und auch das ist einfach so. Dabei denkt sich niemand etwas. Aber für uns waren das schwierige Situationen weil wir es so nicht kennen.

Auch wenn es nicht immer einfach ist, ist es für mich eine Bereicherung Ausländerin zu sein. Es hat mein Denken und mein Weltbild verändert. Unsere Wahrheit und die Art wie wir hier in Deutschland die Dinge sehen hat genau so lange Bestand bis wir im nächsten Land angekommen sind. Da verliert sich unsere Wahrheit dann in einer anderen Kultur und Sicht auf die Dinge.

Dadurch ist es für mich aber auch wichtig geworden mir unsere Kultur zu erhalten. Man sieht die Dinge anders wenn man sie nicht mehr selbstverständlich um sich hat und das können so profane Dinge wie ein Vollkornbrot sein. Ich habe vorher z.B. nicht verstanden warum der türkische Gemüseladen um die Ecke für unsere türkischen Mitbürger so wichtig ist. Heute weiß ich es, es ist ein Stück Heimat.

„Eine besondere Herausforderung ist das tägliche Autofahren“, schmunzelt Nicole Bowe, „während wir hier ja eher zügig und vorausschauend fahren kann es in China passieren, dass auf einer vierspurigen Autobahn vier Autos auf gleicher Höhe vor sich hin bummeln. Alles was dann hilft ist ruhig zu bleiben und zu akzeptieren, dass es so ist.